Brandshof bleibt!
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Der Brandshof gehört allen!

26.01.2010 - 16:21 von Redaktion

Wir sind wütend! Sogar ziemlich. Wir sind vor über fünf Jahren hierher gezogen, um unser Leben zu leben, unsere Projekte zu machen. Abgelegen, in der Nähe der Innenstadt, zu einer günstigen Miete zu wohnen. Und was passiert dann?

Ein so genannter "Kulturinvestor" kommt hierher, kauft unsere Häuser, sperrt erst mal alles ab und legt uns ganz schnell nah, dass wir eher gestern als morgen ausziehen sollen. Fröhlich grinsend turnt er hier herum und erzählt jedem, der es hören will, dass er hier ein "Künstlerviertel" errichten will. Mit "günstigen Mieten für Ateliers", "bezahlbarem Wohnraum" usw. - als ob das was Neues wäre.

Bevor unsere Häuser gekauft wurden - und man muss sagen, wir hätten es auch gern selbst getan, wenn man uns die Chance auf eine Versteigerung nicht genommen hätte - gab es hier nämlich genau das: Günstigen Wohnraum, günstige Ateliers, Künstler und Kreativität.

Aber "günstig" ist ja wie "eng" ein dehnbarer Begriff. Und "Künstler" auch. In Gutsherrenmanier möchte unser "Kulturinvestor" bestimmen, wer hier wohnt und was Kunst ist. Warum sonst die Künstler, die hier wohnten, schnell raus schmeißen? Von mündlichen Abmachungen und was daraus wurde können etliche, die jetzt im Gängeviertel eine neue Bleibe gefunden haben ein trauriges Liedchen singen. Naja, zumindest unsere Solidarität habt ihr.

Es folgte ein langer Widerstand, in dem wir etliche nette Begegnungen mit Herrn Kretschmer hatten. Nächtliche Besuche im Hof, wo unsere Fenster ihm wohl als Fernsehersatz dienten, freundliche Pläusche im Treppenhaus, bis zu Letzt bemühte Aufklärungsangestellte unsere Aktivitäten zu unserer eigenen Sicherheit überwachen sollten.

Aber irgendwann wurde es wieder ruhig und wir konnten fast vergessen, wie wütend wir waren.
Und dann wurde es plötzlich so ruhig, dass wir begannen uns zu wundern. Da musste was im Busch sein.
Kurz drauf – die Nachricht: Insolvenz. Juchu, dachten wir, das ist doch mal eine gute Nachricht.
Natürlich hätten wir uns denken können, dass es nicht ruhiger werden würde.

Plötzlich kamen Menschen in Anzügen - sowas kannten wir von Kretschmer nicht! Stellten Fragen und sahen sehr nachdenklich aus.
Da könnte man ja im ersten Moment denken, vielleicht wird ja jetzt mal was am Haus gemacht. Vielleicht man intakte Briefkästen?
Nun. Ja. Nein. Irgendwie passiert nicht so viel.
Außer, dass nun drei Mietparteien gekündigt wurden. Wegen "Unbewohnbarkeit". Was auch immer das dann heißen soll.
Wir haben davon jedenfalls noch nichts gemerkt, wir finden es im Gegenteil ziemlich bewohnbar!

Nun wenden wir uns an die nächsten besitzer:
Wir sind kein Spekulationsobjekt! Wir sind Bewohner! Wir leben, lieben, lachen und bleiben hier.
Und wir wollen, dass genau das, was wir hatten, wieder entsteht: Ein Gefühl von Leichtigkeit. Und das wird es!

Ja, das ist eine Kampfansage. Denn wir haben hier unseren Lebensmittelpunkt. Wir LEBEN hier! Wissen Sie eigentlich, was das bedeutet? Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, was Sie uns wegnehmen wollen? Das können wir uns kaum vorstellen. Sie haben eine "Vision" oder "Finanzpläne".

Wir möchten Ihnen ein Angebot machen: Geben Sie uns eine schriftliche, unwiderrufliche Garantie, dass wir für die nächsten 20 Jahre hier wohnen bleiben können, und zwar zu genau den Konditionen, die wir jetzt haben. Oder besser: Verkaufen sie uns die Häuser für das Geld, was wir bei der Versteigerung hätten bezahlen müssen!

Dann werden wir hervorragend miteinander auskommen.

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